Hexen, Zauberer und ein Hauself: Zwei unvergessliche Abende in der Aula der FOS/BOS
Am 7. und 8. Februar 2026 hat das Sinfonieorchester Memmingen sein insgesamt fünftes Konzertprojekt gespielt – und was für eines! Beide Konzerte waren restlos ausverkauft, insgesamt 800 Zuhörerinnen und Zuhörer füllten die Aula der FOS/BOS Memmingen bis auf den letzten Platz. Der langanhaltende Applaus am Ende beider Abende sprach für sich.
Ein Programm voller Magie
Unter dem Motto „Klangzauber“ nahm Dirigent Markus Hein das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch geheimnisvolle Welten. Das sorgfältig zusammengestellte Programm spannte einen weiten Bogen – von der Wiener Klassik bis zu Hollywood – und bewies eindrucksvoll, wie viel Magie und Mysterium in der Orchesterliteratur steckt.
Den Auftakt machte Franz Schuberts Ouvertüre zur „Zauberharfe“, ein Werk, das 1820 uraufgeführt wurde und heute zu den selten gespielten Schätzen des jungen Schubert gehört. Bemerkenswert: Obwohl die titelgebende Harfe in der Ouvertüre gar nicht erklingt, trägt das Werk eine ganz eigene zauberhafte Leichtigkeit in sich. Mit kraftvollen Pauken und Trompeten sorgte das Orchester für einen energiegeladenen Einstieg.
Selten zu hören, dafür umso lohnenswerter: Granville Bantocks „The Witch of Atlas“, eine sinfonische Dichtung nach Percy Shelleys gleichnamigem Gedicht. Die Soloeinlage – zunächst vom Cello, dann vom gesamten Orchester aufgenommen – webte eine dichte, atmosphärische Klangwelt voller Wärme und Geheimnis.
Den ersten Konzertteil beschloss John Williams‘ „Fawkes the Phoenix“ aus der Harry-Potter-Filmreihe. Das Leitmotiv des Feuervogels, ein Sinnbild für Wiedergeburt und Hoffnung, wurde zu einem getragenen, ausdrucksstarken Klangerlebnis und entließ das Publikum in der Pause in bester Stimmung.
Nach der Pause wurde es dramatischer. Mit Modest Mussorgskis „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ entfesselte das Ensemble einen wilden Hexensabbat. Mächtige Streicherpassagen und schrille Blechbläserfanfaren – das Orchester setzte die Wucht dieses Klassikers mitreißend um.
Ein stiller, beinahe meditativer Kontrast dazu war Anatoli Ljadows „Der verzauberte See“. Der russische Komponist malte 1909 mit feinen Klangfarben das Bild eines geheimnisvollen Waldsees, auf dem flüchtige Lichtreflexe und eine schwebende Stille regieren. Eine Miniatur von großer Poesie, die das Orchester mit viel Gespür für Dynamik und Ausdruck zum Leuchten brachte.
Den emotionalen Höhepunkt des Abends bildete Antonín Dvořáks „Die Mittagshexe“ – eine sinfonische Ballade aus dem Jahr 1896, die eine böhmische Volkslegende auf erschütternde Weise vertont. Die Geschichte einer überforderten Mutter, die unwissentlich dem Kind die unheilvolle Begegnung mit der Hexe ermöglicht, endete für alle hörbar tragisch. Dvořáks farbige Orchestrierung gab den rund 60 Musikerinnen und Musikern Gelegenheit, das volle Spektrum ihrer Ausdruckskraft zu zeigen – von den lautesten Ausbrüchen bis zu den zartesten Pianissimo-Stellen.
Zugabe aus Hogwarts
Nach dem begeisterten Applaus gönnte sich das Orchester noch einen letzten Abstecher in die Welt von Harry Potter: Als Zugabe erklang das Thema des Hauselfen Dobby, ebenfalls komponiert von John Williams, der just am Tag des zweiten Konzerts seinen 94. Geburtstag feierte. Ein herzerwärmender, stimmungsvoller Abschluss zweier magischer Konzertabende.
Ein herzliches Dankeschön an alle 800 Zuhörerinnen und Zuhörer, die diese Abende zu etwas Besonderem gemacht haben – und natürlich an alle Musikerinnen und Musiker sowie Dirigent Markus Hein für diese beeindruckende Leistung!


